Saturday, May 12, 2012

Wie killt man einen Blog?

Also, diese Frage hat mich mal interessiert, weil ich vorhabe, es hier demnaechst auf minus irgendwas Besucher am Tag zu schaffen, damit ich endlich einen Grund habe, hier zuzumachen. Und dann habe ich mich mal umgeguckt bei den "Experten". Bei den Schreibern von Blogs, wo es so langweilig ist, dass der Blog irgendwann den Schmerz nicht mehr ertragen kann, und Suizid begeht, damit der Krampf endlich ein Ende hat.

Die Frage ist: WIE bringt man einen Blog an diesen Punkt? WIE treibt man ihn dazu, dass er sich irgendwann selber einmottet, weil er die Bandwidth, die er im Netz aufbraucht nicht mehr wert ist, und das auch weiss?

Fragen wir doch mal die Experten:

An aller erster Stelle stehen hier natuerlich die Brigitte Blogs. Die haben vor Leben mal nur so gewimmelt, da ging es kontrovers zu, da haben sich die Kommentare ueberschlagen, da ging's oft krass zu. Dann eines Tages hat sich die Brigitte entschlossen, jetzt nur noch niveauvoll zuzulassen. Also keine Kommentare mehr (oder nur noch in freigeschalteter Form) von den Lesern, und schon gar keine kontroverse. Und nichts Kontroverses oder gar ...... *die Empfindlicheren bitte nicht weiterlesen, denn jetzt wird's geschmacklos*....... ECHTES! Also in den eigentlichen Eintraegen von den Bloggern selbst. Mal schlechte Stimmung. Mal auskotzen. Mal ..... och ich weiss nicht..... EHRLICHKEIT??? (Ich weiss, ich weiss, wie kann ich nur, ich niveauloser, menschenverachtender.... mir faellt gerade kein Hauptwort ein). Auf einmal gab es auf den meisten Brigitte-Blogs nur noch "geschmackvolle Reiseberichte", schoene Bilder, PositivesPositivesPositives, und so viel persoenliche Tiefe per Blogger wie ein Regentuempel auf dem Gehweg. Kommentare gab es so gut wie keine mehr, schon gar keine kontroversen.

Needless to say: Innerhalb von einem Jahr oder so dieser Handhabe waren die Brigitte Blogs tot. Aus Mangel an WIRKLICH Interessantem einen grausamen Tod gestorben. Wir alle durften die Beistattung im July (den Monat weiss ich noch aber das Jahr nicht mehr, war's 2010 oder 2011?) live und angekuendigt miterleben. Was habe ich geschluchzt. Die Bloglandschaft von Brigitte.de war mal so schoen gewesen. So jung, so belebt und beliebt! Und musste dann als eine Sammlung ungeliebter, unangeklickter, unkommentierter aber geschmackvoller "spannender Berichte" diese Erde verlassen. Weil das Interesse fehlte (ach was?). Das haben sie wenigstens offen zugegeben. Immerhin.

Die paar "Ableger", dieser toten Blogs, die sonstwo noch tapfer weiterstapfen, entwickeln sich uebrigens in die selbe Richtung: Nur nix Kontroverses. Nur keine Kritik an irgendwas oder irgendwem. Nur Kommentare koedern, die so Hirnfurze wie "wieder mal ein spannender Bericht, liebe XY, das macht richtig Lust, mal wieder rauszufahreh! Hier ist UNSERE Erfahrung in Land/Stadt xyz!" beinhalten. In meiner Erfahrung sollte ein Blog, der solche Kommentare anzieht, dringend zum Arzt, um sich mal von oben bis unten durchchecken zu lassen. Vor allem, weil o. g. "Kommentare" typischerweise immer wieder von den ein, zwei SELBEN Klakoeren kommen, weil sich der Rest der Leserschaft schon lange von dannen geschlichen hat, um ihre Internetzeit irgendwo anders mit Spannendem, Echten, Ehrlichen zuzubringen. Wo man auch mal seine ehrliche Meinung sagen darf, und vor allem der Schreiberling des Blogges mit gutem Beispiel vorausgeht, und selber voll echt ist.

Also so killt man einen Blog. Das war eine kleine Studie jetzt. Ich will meinen Blog auch killen, aber es will mir nicht gelingen. Jetzt - so leid es mir tut - werde ich haertere Geschuetze auffahren muessen. Fangen wir mal an mit Reiseberichten ohne persoenliche Info. Die machen sich immer gut, um einem Blog langsam die Luft abzudruecken bis er blau wird und in die Knie sinkt. Ich habe naemlich ehrlich gesagt keine rechte Lust mehr auf das Ganze hier, schon laenger nicht. Aber ich mach immer wieder weiter. Weiss der Teufel warum.

Also, Niveau. Mal gucken, was ich da so bieten kann. Schliesslich will ich meinen Blog killen. Fangen wir mal an mit dem Quatsch:

In der naechsten Zeit werde ich geschaeftlich mehrmals nach Washington muessen. (Ach wie spannend, liebe hsm, wird's auch Bilder geben) Natuerlich werde ich auch fuer Persoenliches Zeit finden, und fuer schoene Bilder. Auch habe ich natuerlich die obligatorischen Freunde vor Ort (wieso sind die eigentlich fast immer im Plural, na, muss man ja nicht verstehen) mit denen zusammen ich viel unternehmen werde, und dann hier berichten werde. Sicher muss ich sehr oft dahin, denn mein Job ist von der Sorte spannender Job, wo staendige "Weiterbildungen" und Reisen unumgaenglich sind.

Aber halt! Sie denken, das war's schon? Och bitte.

Im Juni gehe ich fuer einen Monat auf Heimaturlaub, heissassa und hoppsassa. Da werde ich Abstecher auch nach Italien, Finland, England, Spanien, Polen, und Schweden machen. In all diesen spannenden Orten habe ich spannende Freunde, und dort wo nicht, egal. Ich bin ja auf Besuch in Deutschland, wo ich viele Freunde habe, dann nehme ich die einfach mit. Ausserdem gibt es meinen Mann ja auch noch. Welchen Mann, fragen Sie? Na den, den ich irgendwann klammheimlich geheiratet habe ohne was davon zu erzaehlen. Denn das ist alles zu persoenlich. Angst vor Trollen und so. Warum sollte ich auch Kontroverses aufwuehlen, wenn ich Ihnen stattdessen wirklich traumhafte Bilder von Sonnenuntergaengen bieten kann. Was interessiert meine Leser wirklich? Och bitte, was fuer ne Frage.

Last but not least .... das ist Englisch hier, Mensch bin ich clever, denn jetzt schreibe ich ueber meinen Besuch in ........... AUSTRALIEN! (ab und zu ein paar Worte in der entsprechenden Landessprache einfliessen lassen in die Berichte, um fuer die richtige Atmosphaere zu sorgen, zwinker zwinker, ach wie clever und niveauvoll, ichkringelmich). Da fliege ich nach meinem Heimaturlaub fuer zwei Wochen hin um den Winter zu geniessen und zusammen mit meinem Schatz (fortan "Mister Schatz" genannt, Gott bin ich koestlich :))))))))) meine Skifahrkuenste aufzufrischen. Auch davon wird es natuerlich wieder einen spannenden Bericht reich an Bildern und Reisefuehrerinfo, dafuer mit null Persoenlichem geben. Schliesslich will ich meinen Blog killen. Und ich habe lange Zeit beobachtet, wie man das macht. Das Netz ist voll von Beispielen, aber ich habe mich speziell am Brigitte.de Model des Blogkillens orientiert. Samt seinen zahlreichen "Ablegern".

Wenn ich nicht gerade auf Achse bin in diesem Sommer, bin ich halt hier im Big Aeppel. Auch von hier gibt es viiiiiiiiele potentielle spanndende Berichte. Solange sie Touristen-konform und vor allem POSITIV bleiben. Ich und Mister Schatz. Also nix mit Meckerblog und negativer Stimmung. Dann wird auch dieser Blog vor Langeweile dahinsiechen. Was ihn im Moment am Leben haelt, ist seine Geschmacklosigkeit. Und die kratzbuerstige und ehrliche Art seiner Betreiberin (mir). Uebrigens werde ich demnaechst auch meinen blauen Pass abgeben. Warum bin ich eigentlich Amerikanerin geworden? Ist doch gar nicht noetig. Ich bin schliesslich DEUTSCHE. Was kann ich denn hierzulande Besseres erwarten? Schliesslich komme ich nicht aus einem Dritte Welt Land, wo man die amerikanische Staatsbuergerschaft anstrebt noch bevor man ganz aus dem Flieger draussen ist. Dann kann ich halt nicht mehr waehlen. So what. Ich bin ja nur zum Spass hier, und muss nicht richtig integriert sein, sondern permanent Urlaub machen *Greencard ganz fest drueck*.

Ach ja: Wenn sich wer von diesem Post angesprochen fuehlt: Bitte, gern. Diesmal, ja. Aber nicht nur. Es gibt leider viele - zu viele - die diesen Weg gegangen sind. Nicht sich selbst so wichtig nehmen, wuerde ich mal sagen. *Ende des kryptischen Off-Topics. Wen's angeht, wird's auch verstehen*

Nun warten Sie mal schoen auf meine Reiseberichte. Diese werden auch die Leserschaft dieses Blogs in die Flucht schlagen vor Langeweile. Solche haben schon ganz andere Blogs gekillt, als meinen kleinen hier. Das Internet hat Millionen von "niveauvollen" Reisebericht-Blogs vorzuweisen, die sich irgendwann mal selber am Riemen der tollen Kamera erhaengt haben vor Langeweile, und jetzt im wahrsten Sinne des Wortes da haengen, haengen, haengen. Auf alle Ewigkeit. Dann gibt's natuerlich auch noch die, die die Niveaunummer verbissen weiterhin durchziehen, schliesslich haben sie ja einen Kommentator (an guten Tagen auch mal zwei). Also solange es noch einen Klick gibt, machen die weiter.

So long
Mist, ich werde wohl nun auch noch ein paar Ausdruecke auf Italienisch, Polnisch, Schwedisch, und wo ich sonst noch hinreise, lernen muessen. Was ist ein Reisebericht, wenn man nicht Landesatmosphaere herstellen kann, indem man hier und da einen Ausdruck in der entsprechenden Sprache streut..... dass ich nur deutsch und englisch kann und nicht noch mindestens zwei weitere Sprachen, wie der gebildete Deutsche, macht sich nicht gut, wenn ich hier die Richtung aendern will. Assihaft, sag ich nur. Passend zu meinem bisheringen Inhalt also. Ich muss endlich aufhoeren, guilty pleasure of many zu sein, dann wird auch hier keiner mehr kommen. Schliesslich will ich ja meinen Blog killen. Also Schluss mit dem Echtsein, und her mit dem niveauvollen, langweiligen Muell!

PS. Ich habe die Beispiele absichtlich allgemein gehalten, und keine Namen genannt hier. Das kommt daher, dass ich ab sofort niveauvolle Verfasserin von "wieder ein spannender Bericht, liebe hsm, man schlendert quasi virtuell mit dir mit" Blogeintraegen werden will.

Nee, im Ernst: Die Verarschungen sind ein anderes Thema, um die geht es hier gerade nicht, und ich will meinen Punkt hier nicht verwaessern. Mit denen werde ich mich separat beschaeftigen :)

2 comments:

  1. Wenn du dich angesprochen fuehlst, Christjann, wird schon was dran sein.

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