Wann war das letzte Mal, dass ich an einem Tag zwei Eintraege hier geschrieben habe? Aber ich haenge gerade so schoen gemuetlich vorm PC ab, und DIESER Aufreger schreit nach einem DEUTSCHEN Publikum.
Nun habe ich ja erfolgreich mit Vattern den Kontakt abgebrochen. Hat ueber ein Jahr gedauert, bis er es endlich akzeptiert hat, aber im November habe ich ihm auf seine andauernden Schoenwetter-Kontaktaunahmen ein paar unangenehme Wahrheiten an den Kopf geworfen (zusaetzlich zu denen von einem Jahr ZUVOR), und ihm gesagt, dass mir der Kontakt nicht gut tut. Und dann auf seine Antworttiraden einfach nicht mehr geantwortet.
Und nun laesst der verknoecherte, kriegsgeschaedigte Alte das an MEINEM SOHN aus! Wohl weil er mich nicht mehr kontrollieren kann, und davon abgesehen sowieso eine Schraube locker hat.
Hatte er vor mehreren Wochen meinem Sohn zum Geburtstag ge-emailt, und dass noch "eine Kleinigkeit" fuer ihn "auf die Reise geschickt" worden waere. Sonst hat er ihm immer $100 auf's Konto ueberwiesen, Sohn hatte schon Plaene mit dem Geld gemacht, und sich gefragt, wo es denn diesmal bleibt? Ich habe ihm gesagt, dass er sich keine Hoffnungen machen soll, dass der geizkragige kriegsgeschaedigte Alte jetzt wohl seinen Zwist mit seiner Tochter an seinem Enkel abreagiert. Ich kenne ihn naemlich. Und dass die "Kleinigkeit", die - strategisch passiv-aggressiv verspaetet abgeschickt - wohl sicher eine Schachtel Pralinen oder sonst was Unbrauchbares fuer einen erwachsenen jungen Mann sein wird, Sohn sich also auch da keine Hoffnungen machen soll. Die Mail war uebrigens wie immer auf deutsch (Motto: Deine Mutter kann's dir ja uersetzen), obwohl er englisch kann, aber nicht will. Soll der Bengel doch endlich mal deutsch lernen. Nun ja, diese Haltung kenne ich ja schon seit fast 3 Jahrzehnten, das waere auch keinen Aufreger wert. (Nebenbei habe ich dabei festgestellt, dass es kein richtiges englisches Wort fuer "Kleinigkeit" (im Sinn von Geschenk) gibt, das ist auch wieder so ein urdeutscher, GEIZIGER Ausdruck.)
Dann kam aber wochenlang nichts. Ich habe Sohn gesagt, mach dir keine Hoffnung, von denen ist NULL zu erwarten, und das meine ich nicht nur materiell. Ich kenne das schon zu gut aus meiner Kindheit. Wenn meine Omas nicht gewesen waeren, wenn ich tatsaechlich auf meine "Eltern" angewiesen gewesen waere, haette ich wohl eine sehr armselige Kindheit gehabt, emotional wie materiell. Aber meine Omas haben immer alles abgefedert. Wie sehr meine "Eltern" nichts taugen, fiel mir erst mit 38 wie Schuppen von den Augen, als meine zweite Oma gestorben ist.Und mein Sohn hat natuerlich zunehmend gemerkt, dass er an seinen "Grosseltern" dort drueben keine Familie hat. Die haben viel zu viel Angst, dass sie mal zu etwas "herangezogen" werden koennten, um eine gescheite Familie zu sein.
Nun steckte gestern abend ein Zettel vom Briefboten in der Tuer, dass ein eingeschriebener Brief an Sohn gekommen ist. Er also heute zur Post gelatscht, um den abzuholen. Ich und mein muetterlicher Schutzinstinkt noch mal: Erwarte nichts. Erwarte NICHTS. (Die 100 Dollar, auf die er sich von seinem Opa gefreut hatte, habe ich ihm mittlerweile selber gegeben, um die Aktion des alten Arschloch's auszugleichen.)
Dannnnn ruft Sohn mich von unterwegs an: Du wirst es nicht glauben, es ist eine Karte und ........ 20 Euro. Euro. Nicht mal umgetauscht. Und 20. Zwanzig. 20 Euro. Euro. Nicht Dollar. Ich: Ja, kann das stimmen?? Hast du auch richtig geguckt? Doch Geld, und dann aber nur 20 Euro? Nicht mal in $ umgetauscht? Und bar, per Brief? Ich glaube, ich bin im falschen Film. Das ist doch eine Beleidigung. Es waere weniger Beleidigung gewesen, gar nichts zu schicken. Oder ein Paket mit irgendwelchem Krimskrams. Aber einem erwachsenen jungen Mann so einen Betrag, und dann noch in einer fremden Waehrung=unbrauchbar als GEBURTSTAGSGESCHENK? Und dann noch Wochen spaeter? DAS....ist selbst fuer Vattern unterste Schublade, und von dem bin ich schon so einiges gewoehnt.
Ich habe dann Sohn gesagt, er soll sehen, ob er es nicht wenigstens bei der Bank umgetauscht kriegt, falls die ihn nicht auslachen wegen so eines laecherlicn Betrags. Aber da es spaet am Samstag Nachmittag war, hatte die Bank schon zu.
Ich hab dann als er heimkam geguckt, ob er sich nicht vielleicht doch verguckt hat. Vielleicht waren es ja zwei hundert. Nein, auf dem komischen hellblauen Wisch (kenne mich nicht wirklich mit Euros aus) steht tatsaechlich 20. Zwei Null. 20.
Ich wuensche mir sehr, dass Vattern in Zukunft seine geizkragigen Unverschaemtheiten sein laesst, und in seinem grossen leeren Haus nebst (leerer, denn er traut keinem) Einliegerwohnung, verschimmelt. Und seine Frau, die den Scheiss mitmacht, das mit sich machen laesst aus Angst, obwohl sie selbst eher grosszuegiger Natur ist, noch dazu.
Als ich den hellblauen Wisch sah, musste ich erst mal herzlich lachen. Und habe dann Sohn gesagt, das muss man am besten mit Humor nehmen. Denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Menno.
Ich bin (lachend) sprachlos. Ueber die besten Witze lacht man lautlos, nicht schallend.
PS. Ich fragte mich schon als Kind: Warum haben andere in meinem Alter normale Eltern? Die haben doch auch den Krieg mitgemacht, sind aber nicht SO geworden...
Schreibtischheldin speit Feuer. Jetzt mit Regenmotiv. Denn das Leben ist ein Traenenmeer. Mein Lebensmotto: ALSO DEN GANZEN TAG AM SCHREIBTISCH SITZEN, DAS KOENNTE ICH NICHT. DAFUER BIN ICH EIN VIEL ZU SENSIBLES, KREATIVES PFLAENZCHEN. DA WUERDE ICH EINGEHEN.
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Saturday, March 9, 2013
Saturday, October 29, 2011
In other news: Das letzte Wort
Vor ueber einer Woche beschloss ich, dieses hier als Geschenk zu nehmen, das mir den Kontaktabbruch erleichtert. Wir praesentieren hier, als ein hsm-Exklusiv (Menno von diesen hagelt es ja heute geradezu^^):
DER EINZIGE MENSCH, FUER DEN DER KRIEG EIN URLAUB WAR:
"Hallo Susanne,
schön, dass Du Dich mal richtig ausgekotzt hast. Da war für mich nichts Neues dabei. Alles bekannt. Du bist eine richtige Amerikanerin geworden. Ich habe noch keinen amerikanischen Film gesehen, der nicht auf psychischen Problemen der Frauen aufgebaut gewesen wäre. Alle kotzen sich immer aus und erzählen von ihrer schlimmen Jugend. Soweit sogut. Ich bin Dir nicht böse deswegen, ich habe Verständnis [.....]
Du kannst nur so einen Scheiß schreiben, weil Du nur die halbe Wahrheit kennst. Die andere Hälfte wissen nur [Muttern] und ich. Bei unserer Scheidung haben wir dem Richter irgend etwas vorgemacht, dass er die Scheidung aussprechen musste. Er hat erkannt, dass ich schuldlos geschieden werden musste und das Erziehungsrecht zugesprochen bekam. Mehr nicht zu diesem Thema. [.........] Auch auf die Gefahr hin, dass Du wieder denkst, ich wollte das letzte Wort, muss ich Dir widersprechen: Ich bewundere Dich!! Ich bewundere Dich, wie Du Dich trotz Deiner "schweren Jugend" behauptest und [Sohn] eine gute Mutter bist. Ich verkrafte auch die Unverschämtheit, dass ich einer sei, wie sie im Netz zu finden sind.
Meine Zeit ist mir zu wertvoll, um diese Schreibe auszudehnen, aber kurz noch ein paar Fakten: "
(Luegen ueber Luegen folgen, Anm. der Redaktion)
Dann ueber mehrere Absaetze das hier (verkuerzt - stark verkuerzt - seeeehr stark verkuerzt):
"›š‘ߊ‘›ß»Šß”ž’Œ‹òõ’–‹ß’–�ßòõ–‘Œß»Š‘”š“‹“œ—š‘Ñß»��‹ß—ž�š‘߈–�ߊ’Œ�‘Œ‹ß˜š“š�‹Óßž‘˜š�“–œ—Þß¶œ—ß—ž�šòõ¾“’ ’–ßòõ–’’š�ßš‹ˆžŒß¸š“›ß˜š˜š�š‘Ñß©–š“ß—ž‹‹šß–œ—ß‘–œ—‹Ñß¶œ—߉š�›–š‘‹šß›ž’ž“Œòõš
"
Sohn, der Computerexperte, den ich gefragt habe, ob es irgendeine Moeglichkeit gibt, das zu ent-kodieren, sagte nein, und meinte dann, da hat Vattern wohl vor Wut mit beiden Faeusten auf die Tastatur gehauen. ^^ :-D :-D
Aber irgendwann hat er sich wohl wieder in den Griff bekommen:
"Und jetzt noch etwas über die Unverschämtheit über meine Jugend zu urteilen: Ich hatte die schönste Jugend, die man sich denken kann!!! "Der Alte" war von 1939 (ich fünf) bis 1946 im Krieg bzw. in Gefangenschaft. Ich hatte nur liebe Frauen um mich herum, keinen Vater, nur meine Mutter, Tante [...] und drei Dienstmädchen, die im Laden geholfen haben, geputzt und gewaschen haben. Meine Mutter, der kleine [Onkel] und ich führten im zweiten Stock des riesengroßen Hauses ein komfortables Leben. Die Damen haben mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Und der Krieg, unter dem ich nach Deiner irrigen Auffassung leide, war mit scheißegal. Ich wusste gar nicht, worum es ging. Bei Fliegeralarm traf ich nachts im Bunker meine Freunde, und wir haben Karten gespielt. Was die zerstörte Stadt bedeutete war mir eigentlich egal. Wir haben in den Trümmern gespielt mit Steinen Latten und Balken. Toll!!
Im Sommer war ich wochenlang bei unseren Verwanden in [...] oder [...], in den Ställen, auf den Feldern und Wiesen. Glaubst Du, ich hätte mich hin- und hergeschoben gefühlt? Da war Sommer und es hieß ab mit Dir aufs Land zu Tanten und Onkels. Nachts alleine in einem Gänsefederbett, das mich beinahe erdrückte. Wunderbar und immer wieder gefreut auf den nächsten Tag. Von [...] auf nach [...] oder [...], ohne Mamachen und der Papa im Krieg. Ich habe nie darunter gelitten, mich immer wohlgefühlt. Wenn ich heute nach [...] oder [...] komme begleiten mich die schönsten Erinnerungen, auch an meine wunderschöne Zeit in der [...]straße. Als das Haus zerstört war (übrigens von den Engländern, die nurTagesangriffe flogen, die Amis nachts) fuhren wir einenTag später nach Pfrungen ganz nahe beim Bodensee. Dort lebten wir über ein halbes Jahr. Wunderbar, Bauernhof, Hühner, Kühe, Pferde und alles, was dazugehört. Dort sah in meinen Vater zum ersten Mal nachdem er 1939 eingezogen worden war. Guten Tag Papa, wie geht es Dir, Küsschen und Schluss. Ich war nur auf die Frauen fixiert aus der [...]straße und etwas traurig, weil meine Spielsachen kaputt waren. Ich hatte aber so viel Ablenkung und neue Eindrücke, dass ich sie bald vergessen hatte. Zurück [...] wohnten wir kurze Zeit in Miete in der [...]straße, dann kam "der Alte" aus der Gefangenschaft und hat kurz danach das [Haus seiner Eltern, in dem ich aufgewachsen bin Anm. der Redaktion] gekauft (mit Geld von seiner reichen Schwester, der Tante Hermine, Wurstfabrik und Metzgereien). Im [Haus der Grosseltern in dem ich aufgewachsen bin Anm. der Redaktion] gab es in der schlechten Zeit wieder Hühnerhaltung und in der Waschküche sogar Schweine. Eine tolle Zeit. Ich bin nicht kriegs- oder jugendgeschädigt. Ich habe einen ganz nüchternen Beamtenberuf ergriffen und mich hochgearbeitet und dann auf Journalismus (mit 40) umgesattelt und den Lauterer Obs den Schreibtrottel gemacht. Mit Freude und Hingabe.
[..................]
[..................] die Eltern Deiner falschen Freundinnen, mit denen Du verkehrt bist. Nein, Du wolltest immer etwas anderes. Nicht ich wollte Dich anders. Was ist dabei, wenn ich Dich bitte, mir von Deinem Urlaub zu erzählen?
So jetzt ist Schluss. Ich weiß dass Du alles anders siehst, aber das hängt an Dir selbst. Du hattest im [Haus meiner Grosseltern, in dem ich aufgewachsen bin] eine schöne Zeit. Nur hast Du manches nicht verstanden und Du warst zu klein, um Dir Erwachsenenprobleme zu schildern. Was glaubst Du wie viele Kinder zwischen Eltern, Großeltern, Tanten, Nachbarn und Kindertagesstätten pendeln. Wenn sie darunter litten, hätten wir nur Bekloppte auf der Welt. Deine Probleme waren immer selbst produziert. Du wolltest immer mehr als ich, [.....] bieten konnten. Du hast Dir von falschen Freundinnen etwas einreden lassen, was uns im [Haus in dem ich aufgewachsen bin] nicht möglich war. Dein großes Problem war immer Geld, Geld, Geld, durch Terroranrufe an [Oma] und an mich. Etwas "Besonderes" wollt ich nie aus Dir machen. Ich wollte nur, dass Du die Schule fertig machst und einen Beruf erlernst. Das hat Du in Deiner Eigenart als Zwang empfunden, was bei anderen Leuten ganz normal ist. Weitern Einfluss hätte ich nie auf Dich nehmen wollen. Du hat diesen Weg gewählt[.......] Ich bin da eher europäisch-spießig. Durch Deine E-Mail habe ich Dich nicht besser kennen oder verstehen gelernt. Ich weiß, dass Du so bist, wie Du bist. Deine Mail war eine Bestätigung. [..........] Rede über Deine Jugend-Aggressionen mit einem Psychiater. Erzähle ihm aber auch, dass Du einen Hund hattest (den [Oma] füttern musste, nicht Du, Fische, die der "Alte" gefüttert hat) und eine schwarze Katze, die Dein Vater nicht leiden konnte und sie aus dem Haus geschafft hat. Psychoidioten interessieren sich für so etwas. Und nochmals zu der Unverschämtheit, dass es Leute wie mich im Netzt genug gebe: Schau Deine amerikanischen Filme (siehe oben) und beobachte die hektischen Weiber, wie sie ihre Probleme auskotzen und nicht selbst in den Griff bekommen. Sie schieben alle Misserfolge auf eine geschädigte Jugend, verteilen die Schuld an ihren Problemen auf ihr ganzes Umfeld. Ich weiß, dass Du so nicht bist, aber schaue Dir diese Filme einmal unter diesem Gesichtspunkt an.
"
Das kam vor ueber einer Woche. Ich habe nicht mehr darauf geantwortet, obwohl es mir in den Fingern juckte, so manche verdrehte Wahrheit und Luege richtig zu stellen. Mir ging es die ganze Woche nicht gut, die MS muckt auf, wir haben keine Heizung, gestern hatte ich eine grosse Auseinandersetzung mit meinem Vermieter. In anderen Worten, ich habe andere Sorgen. So eine "Familie" brauche ich nicht. Sorry.
PS. Da draussen ist gerade ein orangener Streuwagen voll mit umweltfreundlichem Sand. Jetzt muss auch niemand mehr schlittern und ausrutschen. God bless. :) (Letzteres, UND ein Teil der Ueberschrift jetzt mal ganz frech auf Englisch. Ich bin schliesslich eine richtige Amerikanerin geworden. Waere auch Zeit. Schliesslich habe ich den blauen Reisepass schon seit 1983.)
Ansonsten: Mein Vater spielt offensichtlich immer noch (oder schon wieder) "mit Steinen, Latten und Balken" in den Truemmern. Toll!!
DER EINZIGE MENSCH, FUER DEN DER KRIEG EIN URLAUB WAR:
"Hallo Susanne,
schön, dass Du Dich mal richtig ausgekotzt hast. Da war für mich nichts Neues dabei. Alles bekannt. Du bist eine richtige Amerikanerin geworden. Ich habe noch keinen amerikanischen Film gesehen, der nicht auf psychischen Problemen der Frauen aufgebaut gewesen wäre. Alle kotzen sich immer aus und erzählen von ihrer schlimmen Jugend. Soweit sogut. Ich bin Dir nicht böse deswegen, ich habe Verständnis [.....]
Du kannst nur so einen Scheiß schreiben, weil Du nur die halbe Wahrheit kennst. Die andere Hälfte wissen nur [Muttern] und ich. Bei unserer Scheidung haben wir dem Richter irgend etwas vorgemacht, dass er die Scheidung aussprechen musste. Er hat erkannt, dass ich schuldlos geschieden werden musste und das Erziehungsrecht zugesprochen bekam. Mehr nicht zu diesem Thema. [.........] Auch auf die Gefahr hin, dass Du wieder denkst, ich wollte das letzte Wort, muss ich Dir widersprechen: Ich bewundere Dich!! Ich bewundere Dich, wie Du Dich trotz Deiner "schweren Jugend" behauptest und [Sohn] eine gute Mutter bist. Ich verkrafte auch die Unverschämtheit, dass ich einer sei, wie sie im Netz zu finden sind.
Meine Zeit ist mir zu wertvoll, um diese Schreibe auszudehnen, aber kurz noch ein paar Fakten: "
(Luegen ueber Luegen folgen, Anm. der Redaktion)
Dann ueber mehrere Absaetze das hier (verkuerzt - stark verkuerzt - seeeehr stark verkuerzt):
"›š‘ߊ‘›ß»Šß”ž’Œ‹òõ’–‹ß’–�ßòõ–‘Œß»Š‘”š“‹“œ—š‘Ñß»��‹ß—ž�š‘߈–�ߊ’Œ�‘Œ‹ß˜š“š�‹Óßž‘˜š�“–œ—Þß¶œ—ß—ž�šòõ¾“’ ’–ßòõ–’’š�ßš‹ˆžŒß¸š“›ß˜š˜š�š‘Ñß©–š“ß—ž‹‹šß–œ—ß‘–œ—‹Ñß¶œ—߉š�›–š‘‹šß›ž’ž“Œòõš
"
Sohn, der Computerexperte, den ich gefragt habe, ob es irgendeine Moeglichkeit gibt, das zu ent-kodieren, sagte nein, und meinte dann, da hat Vattern wohl vor Wut mit beiden Faeusten auf die Tastatur gehauen. ^^ :-D :-D
Aber irgendwann hat er sich wohl wieder in den Griff bekommen:
"Und jetzt noch etwas über die Unverschämtheit über meine Jugend zu urteilen: Ich hatte die schönste Jugend, die man sich denken kann!!! "Der Alte" war von 1939 (ich fünf) bis 1946 im Krieg bzw. in Gefangenschaft. Ich hatte nur liebe Frauen um mich herum, keinen Vater, nur meine Mutter, Tante [...] und drei Dienstmädchen, die im Laden geholfen haben, geputzt und gewaschen haben. Meine Mutter, der kleine [Onkel] und ich führten im zweiten Stock des riesengroßen Hauses ein komfortables Leben. Die Damen haben mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Und der Krieg, unter dem ich nach Deiner irrigen Auffassung leide, war mit scheißegal. Ich wusste gar nicht, worum es ging. Bei Fliegeralarm traf ich nachts im Bunker meine Freunde, und wir haben Karten gespielt. Was die zerstörte Stadt bedeutete war mir eigentlich egal. Wir haben in den Trümmern gespielt mit Steinen Latten und Balken. Toll!!
Im Sommer war ich wochenlang bei unseren Verwanden in [...] oder [...], in den Ställen, auf den Feldern und Wiesen. Glaubst Du, ich hätte mich hin- und hergeschoben gefühlt? Da war Sommer und es hieß ab mit Dir aufs Land zu Tanten und Onkels. Nachts alleine in einem Gänsefederbett, das mich beinahe erdrückte. Wunderbar und immer wieder gefreut auf den nächsten Tag. Von [...] auf nach [...] oder [...], ohne Mamachen und der Papa im Krieg. Ich habe nie darunter gelitten, mich immer wohlgefühlt. Wenn ich heute nach [...] oder [...] komme begleiten mich die schönsten Erinnerungen, auch an meine wunderschöne Zeit in der [...]straße. Als das Haus zerstört war (übrigens von den Engländern, die nurTagesangriffe flogen, die Amis nachts) fuhren wir einenTag später nach Pfrungen ganz nahe beim Bodensee. Dort lebten wir über ein halbes Jahr. Wunderbar, Bauernhof, Hühner, Kühe, Pferde und alles, was dazugehört. Dort sah in meinen Vater zum ersten Mal nachdem er 1939 eingezogen worden war. Guten Tag Papa, wie geht es Dir, Küsschen und Schluss. Ich war nur auf die Frauen fixiert aus der [...]straße und etwas traurig, weil meine Spielsachen kaputt waren. Ich hatte aber so viel Ablenkung und neue Eindrücke, dass ich sie bald vergessen hatte. Zurück [...] wohnten wir kurze Zeit in Miete in der [...]straße, dann kam "der Alte" aus der Gefangenschaft und hat kurz danach das [Haus seiner Eltern, in dem ich aufgewachsen bin Anm. der Redaktion] gekauft (mit Geld von seiner reichen Schwester, der Tante Hermine, Wurstfabrik und Metzgereien). Im [Haus der Grosseltern in dem ich aufgewachsen bin Anm. der Redaktion] gab es in der schlechten Zeit wieder Hühnerhaltung und in der Waschküche sogar Schweine. Eine tolle Zeit. Ich bin nicht kriegs- oder jugendgeschädigt. Ich habe einen ganz nüchternen Beamtenberuf ergriffen und mich hochgearbeitet und dann auf Journalismus (mit 40) umgesattelt und den Lauterer Obs den Schreibtrottel gemacht. Mit Freude und Hingabe.
[..................]
[..................] die Eltern Deiner falschen Freundinnen, mit denen Du verkehrt bist. Nein, Du wolltest immer etwas anderes. Nicht ich wollte Dich anders. Was ist dabei, wenn ich Dich bitte, mir von Deinem Urlaub zu erzählen?
So jetzt ist Schluss. Ich weiß dass Du alles anders siehst, aber das hängt an Dir selbst. Du hattest im [Haus meiner Grosseltern, in dem ich aufgewachsen bin] eine schöne Zeit. Nur hast Du manches nicht verstanden und Du warst zu klein, um Dir Erwachsenenprobleme zu schildern. Was glaubst Du wie viele Kinder zwischen Eltern, Großeltern, Tanten, Nachbarn und Kindertagesstätten pendeln. Wenn sie darunter litten, hätten wir nur Bekloppte auf der Welt. Deine Probleme waren immer selbst produziert. Du wolltest immer mehr als ich, [.....] bieten konnten. Du hast Dir von falschen Freundinnen etwas einreden lassen, was uns im [Haus in dem ich aufgewachsen bin] nicht möglich war. Dein großes Problem war immer Geld, Geld, Geld, durch Terroranrufe an [Oma] und an mich. Etwas "Besonderes" wollt ich nie aus Dir machen. Ich wollte nur, dass Du die Schule fertig machst und einen Beruf erlernst. Das hat Du in Deiner Eigenart als Zwang empfunden, was bei anderen Leuten ganz normal ist. Weitern Einfluss hätte ich nie auf Dich nehmen wollen. Du hat diesen Weg gewählt[.......] Ich bin da eher europäisch-spießig. Durch Deine E-Mail habe ich Dich nicht besser kennen oder verstehen gelernt. Ich weiß, dass Du so bist, wie Du bist. Deine Mail war eine Bestätigung. [..........] Rede über Deine Jugend-Aggressionen mit einem Psychiater. Erzähle ihm aber auch, dass Du einen Hund hattest (den [Oma] füttern musste, nicht Du, Fische, die der "Alte" gefüttert hat) und eine schwarze Katze, die Dein Vater nicht leiden konnte und sie aus dem Haus geschafft hat. Psychoidioten interessieren sich für so etwas. Und nochmals zu der Unverschämtheit, dass es Leute wie mich im Netzt genug gebe: Schau Deine amerikanischen Filme (siehe oben) und beobachte die hektischen Weiber, wie sie ihre Probleme auskotzen und nicht selbst in den Griff bekommen. Sie schieben alle Misserfolge auf eine geschädigte Jugend, verteilen die Schuld an ihren Problemen auf ihr ganzes Umfeld. Ich weiß, dass Du so nicht bist, aber schaue Dir diese Filme einmal unter diesem Gesichtspunkt an.
"
Das kam vor ueber einer Woche. Ich habe nicht mehr darauf geantwortet, obwohl es mir in den Fingern juckte, so manche verdrehte Wahrheit und Luege richtig zu stellen. Mir ging es die ganze Woche nicht gut, die MS muckt auf, wir haben keine Heizung, gestern hatte ich eine grosse Auseinandersetzung mit meinem Vermieter. In anderen Worten, ich habe andere Sorgen. So eine "Familie" brauche ich nicht. Sorry.
PS. Da draussen ist gerade ein orangener Streuwagen voll mit umweltfreundlichem Sand. Jetzt muss auch niemand mehr schlittern und ausrutschen. God bless. :) (Letzteres, UND ein Teil der Ueberschrift jetzt mal ganz frech auf Englisch. Ich bin schliesslich eine richtige Amerikanerin geworden. Waere auch Zeit. Schliesslich habe ich den blauen Reisepass schon seit 1983.)
Ansonsten: Mein Vater spielt offensichtlich immer noch (oder schon wieder) "mit Steinen, Latten und Balken" in den Truemmern. Toll!!
Wednesday, September 14, 2011
ACH, hast du dich verdorben!
Es ist ja nicht zu fassen. Normalerweise bin ich kein Verfechter der "es kann jeden treffen" Lebenseinstellung, aber nach diesem Knueller koennte ich fast dazu uebergehen. Auch wenn ich im tiefsten Inneren glaube - ueberzeugt bin - dass jede - jede - Krankheit irgendwie im Koerper vorprogrammiert ist, dann entweder getriggert, oder nicht getriggert wird, und wir die URsachen halt nicht kennen, und darum behaupten, "jeder" waere gleich gefaehrdet, "getroffen" zu werden.
Ich habe monatelang Anrufe und E-Mails von meiner Gesippschaft in D. ignoriert. Weil ich denen nicht sagen kann, dass ich MS habe. Ich wusste ja, was dann kommen wuerde. Aber die eindringlichen Kontaktversuche konnte ich irgendwann nicht mehr ignorieren. Ich kann aber auch nicht einfach irgendsowas daherquatschen: "Ja, der August war ziemlich verregnet, alles beim alten, bla bla bla". Das kann ich nicht. Tut mir leid. Und weiter ignorieren und nicht antworten kann ich auch nicht. Also blieb mir keine Wahl. Ich muss echt sein. Ich bin echt. Schrieb ich auf Vatterns Gemecker ("eine Mail zu schreiben, soviel Zeit muss doch da sein bla bla bla") eine Antwort, in der ich ihm von der MS erzaehlte. Kurz, buendig, sachlich, ehrlich. Quadratisch, praktisch, gut:
"Ach ja. Im vergangenen Maerz wurde ich mit Multpler Sklerose diagnostiziert. Es geht mir aber im Grossen und Ganzen gut. Ich arbeite normal weiter und mache jeden Monat eine Behandlung. Die Behandlung schlaegt gut an und die Symptome (Kribblen, Taubheit, Gleichgewichtsstoerungen) sind so ziemlich unter Kontrolle. Man kann damit viele Jahre ganz normal leben, nicht jeder endet mit Kruecken oder im Rollstuhl. Zum Glueck habe ich eine gute Krankenversicherung, und auf der Arbeit haben sie auch Verstaendnis und haben meine Stunden angepasst. Das mit der MS koennt ihr auch X (meinem Onkel, der mit Vattern staendig auf Kriegsfuss steht, und seit Jahren ueber alles, was mich betrifft, angelogen wird - ich bin Vattern zu peinlich) erzaehlen. Das moechte ich sogar. Ich will nicht mehr, dass Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Das halte ich fuer ziemlich ungesund, ehrlich. "
Ich bin stolz auf mich. Die verlogene Wirtschaft meiner Familie mache ich nicht mehr mit. Du willst wissen, wie es mir geht? Gut. Ich SAGE dir, wie es mir geht. Ich plaenkere nix ueber das Wetter, das Erdbeben, den Hurrikan, den 9/11 10. Jahrestag daher. Oder ueber deine bloeden Buecher und deinen bloeden Garten. Ich mache keinen Smalltalk mehr. Entweder du nimmst mich so, wie ich bin, oder wir koennen es ganz bleiben lassen. So. Nachdem ich die Mail abgeschickt hatte, ging ich ein bisschen aufrechter, trotz Gleichgewichtsstoerungen auf der linken Seite wieder, seit gestern.
Ich wollte es denen eigentlich nicht sagen. Denn ich weiss ja, was kommt: "Also von MIR hast du das nicht bla bla bla bis" hin zu "Schicksalsschlag bla bla bla". Unterstuetzung? Null. Interesse? Null.
Zwei Stunden spaeter kommt eine Antwort. Schlimmer als erwartet war die Reaktion. Ein Schluessel-Auszug:
"Ich kann es nicht glauben. Normalerweise ist MS auch erblich bedingt. Niemand in unserer Familie und auch nicht bei X (meine Mutter) hatte jemals MS. Hat Dir Dein Arzt gesagt, wie das kommen kann? Ich...." "Ich habe mit X (Mutter) telefoniert. Die hat gesagt, dass Du sie noch nicht informiert hast. Warum? Sie will Dich in den nächsten Tagen anrufen."
Das deckt unsere "von mir hat sie das nicht" Portion des Programms ab. Die "selber schuld" Einlage war ein unerwarteter Bonus. NEIN, mein Arzt hat mir nicht gesagt, "wie das kommen kann". Es gibt noch keine erforschte Ursache von MS. Und erblich KANN, MUSS sie aber nicht bedingt sein. Manchmal trifft sie einen auch einfach so. Ohne Grund. DU hast nicht immer die Kontrolle, VATTERN. Man kann nicht alles kontrollieren im Leben, so gerne du dir das auch einreden wuerdest.
Und weil's so schoen war, geht's gleich weiter. Hier ist die "was nicht sein darf, kann nicht sein" Portion unserer Morgen-Unterhaltung:
"Wenn ich etwa habe, besuche ich immer einen zweiten Arzt, der dann oft eine ganz andere Diagnose stellt. Besuch einen zweiten Arzt, um sicherzugehen. "
Keine Nachfrage, wie es denn zur Diagnose gekommen ist. Was da genau passiert war. Dass ich 5 Tage im Krankenhaus war durch die Notaufnahme. Dass ich inzwischen schon 3 MRI's machen musste, von mind. 4 verschiedenen Aerzten angesehen, die alle zu dem gleichen Ergebnis kamen. Dass ich selber die Hirnwolken gesehen habe. Dass die mir am Rueckgrat Fluessigkeit abgenommen haben mit einer grossen Nadel um anderes auszuschliessen. Dass man an dem Abend in der Notaufnahme zuerst einen Schlaganfall und einen Hirntumor duch ein CT Scan ausschliessen musste. Dass mein Auge schief stand. Dass ich nicht gerade laufen konnte, und mir ganz uebel war. Dass ich seit Monaten nicht mehr joggen konnte, weil mein linkes Bein immer taub wurde und geschleppt hat. Nein. Danach fragt er nicht. Dass ich 5 Tage am Tropf hing mit Steroids (Kortison???) um mein Auge und mein Gleichgewicht zu richten. All das interessiert ihn nicht. Nur wie frueher: "Du niest? Warum bist du gestern ohne Jacke rausgegangen? ACH, hast du dich verdorben!" Man ist selber schuld. Man hat alles unter Kontrolle. So war's immer schon in dieser kranken Familie. Danke fuer die warmen Erinnerungen. Jetzt bin ich wenigstens erleichtert. Vatter meint, vlt. habe ich gar keine MS. Ohne Fragen zu stellen. Das kann ja nicht sein, die reden alle Quatsch. Er war schon immer der Einzige, der die Antworten hat.
Aber halt! Wir sind noch nicht am Schluss! Bevor er mich unterschwellig einen Narren genannt hat, der einfach zu allem "Ja" sagt (hat er schon als ich Kind war gemacht, komplett mit kuenstlicher Piepsstimme, mich nachaeffend), wollte er doch noch was Freundliches abgeben (da steckte sicher seine Frau dahinter):
"Ich bewundere Deinen Mut und die tapfere Art, wie Du das hinnimmst."
Ja, ich nehme das hin. Auch wenn ich keinen Mut und keine "tapfere Art" habe, aber es bleibt einem ja nix anderes uebrig ne? Soll ich ihm jetzt sagen, ich war eigentlich erleichtert, als ich MS hoerte, weil ich Angst vor einem HIRNTUMOR hatte? Nee. So nah sind wir uns nicht, dass ich solche Sachen erzaehle. Dann lieber Fremden hier im Blog. Wenigstens hat er sich den Ausdruck "Schicksalsschlag" gespart, gegen den ich so allergisch bin. War sicher Zufall und nicht Ruecksicht. Auf dieser Welt gibt es nur Vattern. Andere Menschen haben keine Probleme und keine Gefuehle. Ihm ist mit 10 Jahren eine Bombe aufs Haus gefallen (im OKTOBER, und im JANUAR war der Krieg herum - SOOO KNAPP!!" *schluchtz*), und dafuer bestraft der arme kleine Junge die Menschheit seit fast 7 Jahrzehnten. Tyrannisiert diejenigen, die es zulassen, und ignoriert diejenigen, die sich abgrenzen, weil er bei denen (ich gehoere auch dazu) nicht mehr die Kontrolle hat.
Damit war das Thema MS - und "Tochter" ueberhaupt - abgeschlossen von seiner Seite. Nun mal zum wirklich Wichtigen:
"Du schreibst, dass das Buch noch nicht angekommen ist. Das verstehe ich nicht. Wir haben es per Luftpost geschickt. Vielleicht hat es der Zoll einbehalten. Ich wüsste aber nicht, warum die ein völlig harmloses Buch einbehalten. Das Buch ist ziemlich schwer (1kg). Vielleicht hat ein Briefträger etwas wertvolles vermutet und hat es sich unter den Nagel gerissen."
Tja, da haben wir's, meine Herrschaften. Die Amis sind alles Gauner ("bei UNS wuerde so was nicht passieren!"), inklusive dem Arzt, der deiner Tochter eine Krankheit anhaengt, die sie gar nicht hat. Sie hat sicher nur "ja" gepiepst. DU musst es ja wissen.
So, jetzt kann ich ihm vlt. in zivilem Ton zurueckschreiben. Warte aber lieber ein paar Tage, um auf Nummer Sicher zu gehen.
PS. Ich haette wenigstens erwartet, dass er Details zu der von mir erwaehnten monatlichen Behandlung fragt. Oder darauf eingeht, dass ich das "Verschweigen" innerhalb der Familie nicht mehr gutheisse. Kam aber nix. Mit keiner Silbe. Gut. Wer nicht will, der hat schon. :/
Ich habe monatelang Anrufe und E-Mails von meiner Gesippschaft in D. ignoriert. Weil ich denen nicht sagen kann, dass ich MS habe. Ich wusste ja, was dann kommen wuerde. Aber die eindringlichen Kontaktversuche konnte ich irgendwann nicht mehr ignorieren. Ich kann aber auch nicht einfach irgendsowas daherquatschen: "Ja, der August war ziemlich verregnet, alles beim alten, bla bla bla". Das kann ich nicht. Tut mir leid. Und weiter ignorieren und nicht antworten kann ich auch nicht. Also blieb mir keine Wahl. Ich muss echt sein. Ich bin echt. Schrieb ich auf Vatterns Gemecker ("eine Mail zu schreiben, soviel Zeit muss doch da sein bla bla bla") eine Antwort, in der ich ihm von der MS erzaehlte. Kurz, buendig, sachlich, ehrlich. Quadratisch, praktisch, gut:
"Ach ja. Im vergangenen Maerz wurde ich mit Multpler Sklerose diagnostiziert. Es geht mir aber im Grossen und Ganzen gut. Ich arbeite normal weiter und mache jeden Monat eine Behandlung. Die Behandlung schlaegt gut an und die Symptome (Kribblen, Taubheit, Gleichgewichtsstoerungen) sind so ziemlich unter Kontrolle. Man kann damit viele Jahre ganz normal leben, nicht jeder endet mit Kruecken oder im Rollstuhl. Zum Glueck habe ich eine gute Krankenversicherung, und auf der Arbeit haben sie auch Verstaendnis und haben meine Stunden angepasst. Das mit der MS koennt ihr auch X (meinem Onkel, der mit Vattern staendig auf Kriegsfuss steht, und seit Jahren ueber alles, was mich betrifft, angelogen wird - ich bin Vattern zu peinlich) erzaehlen. Das moechte ich sogar. Ich will nicht mehr, dass Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Das halte ich fuer ziemlich ungesund, ehrlich. "
Ich bin stolz auf mich. Die verlogene Wirtschaft meiner Familie mache ich nicht mehr mit. Du willst wissen, wie es mir geht? Gut. Ich SAGE dir, wie es mir geht. Ich plaenkere nix ueber das Wetter, das Erdbeben, den Hurrikan, den 9/11 10. Jahrestag daher. Oder ueber deine bloeden Buecher und deinen bloeden Garten. Ich mache keinen Smalltalk mehr. Entweder du nimmst mich so, wie ich bin, oder wir koennen es ganz bleiben lassen. So. Nachdem ich die Mail abgeschickt hatte, ging ich ein bisschen aufrechter, trotz Gleichgewichtsstoerungen auf der linken Seite wieder, seit gestern.
Ich wollte es denen eigentlich nicht sagen. Denn ich weiss ja, was kommt: "Also von MIR hast du das nicht bla bla bla bis" hin zu "Schicksalsschlag bla bla bla". Unterstuetzung? Null. Interesse? Null.
Zwei Stunden spaeter kommt eine Antwort. Schlimmer als erwartet war die Reaktion. Ein Schluessel-Auszug:
"Ich kann es nicht glauben. Normalerweise ist MS auch erblich bedingt. Niemand in unserer Familie und auch nicht bei X (meine Mutter) hatte jemals MS. Hat Dir Dein Arzt gesagt, wie das kommen kann? Ich...." "Ich habe mit X (Mutter) telefoniert. Die hat gesagt, dass Du sie noch nicht informiert hast. Warum? Sie will Dich in den nächsten Tagen anrufen."
Das deckt unsere "von mir hat sie das nicht" Portion des Programms ab. Die "selber schuld" Einlage war ein unerwarteter Bonus. NEIN, mein Arzt hat mir nicht gesagt, "wie das kommen kann". Es gibt noch keine erforschte Ursache von MS. Und erblich KANN, MUSS sie aber nicht bedingt sein. Manchmal trifft sie einen auch einfach so. Ohne Grund. DU hast nicht immer die Kontrolle, VATTERN. Man kann nicht alles kontrollieren im Leben, so gerne du dir das auch einreden wuerdest.
Und weil's so schoen war, geht's gleich weiter. Hier ist die "was nicht sein darf, kann nicht sein" Portion unserer Morgen-Unterhaltung:
"Wenn ich etwa habe, besuche ich immer einen zweiten Arzt, der dann oft eine ganz andere Diagnose stellt. Besuch einen zweiten Arzt, um sicherzugehen. "
Keine Nachfrage, wie es denn zur Diagnose gekommen ist. Was da genau passiert war. Dass ich 5 Tage im Krankenhaus war durch die Notaufnahme. Dass ich inzwischen schon 3 MRI's machen musste, von mind. 4 verschiedenen Aerzten angesehen, die alle zu dem gleichen Ergebnis kamen. Dass ich selber die Hirnwolken gesehen habe. Dass die mir am Rueckgrat Fluessigkeit abgenommen haben mit einer grossen Nadel um anderes auszuschliessen. Dass man an dem Abend in der Notaufnahme zuerst einen Schlaganfall und einen Hirntumor duch ein CT Scan ausschliessen musste. Dass mein Auge schief stand. Dass ich nicht gerade laufen konnte, und mir ganz uebel war. Dass ich seit Monaten nicht mehr joggen konnte, weil mein linkes Bein immer taub wurde und geschleppt hat. Nein. Danach fragt er nicht. Dass ich 5 Tage am Tropf hing mit Steroids (Kortison???) um mein Auge und mein Gleichgewicht zu richten. All das interessiert ihn nicht. Nur wie frueher: "Du niest? Warum bist du gestern ohne Jacke rausgegangen? ACH, hast du dich verdorben!" Man ist selber schuld. Man hat alles unter Kontrolle. So war's immer schon in dieser kranken Familie. Danke fuer die warmen Erinnerungen. Jetzt bin ich wenigstens erleichtert. Vatter meint, vlt. habe ich gar keine MS. Ohne Fragen zu stellen. Das kann ja nicht sein, die reden alle Quatsch. Er war schon immer der Einzige, der die Antworten hat.
Aber halt! Wir sind noch nicht am Schluss! Bevor er mich unterschwellig einen Narren genannt hat, der einfach zu allem "Ja" sagt (hat er schon als ich Kind war gemacht, komplett mit kuenstlicher Piepsstimme, mich nachaeffend), wollte er doch noch was Freundliches abgeben (da steckte sicher seine Frau dahinter):
"Ich bewundere Deinen Mut und die tapfere Art, wie Du das hinnimmst."
Ja, ich nehme das hin. Auch wenn ich keinen Mut und keine "tapfere Art" habe, aber es bleibt einem ja nix anderes uebrig ne? Soll ich ihm jetzt sagen, ich war eigentlich erleichtert, als ich MS hoerte, weil ich Angst vor einem HIRNTUMOR hatte? Nee. So nah sind wir uns nicht, dass ich solche Sachen erzaehle. Dann lieber Fremden hier im Blog. Wenigstens hat er sich den Ausdruck "Schicksalsschlag" gespart, gegen den ich so allergisch bin. War sicher Zufall und nicht Ruecksicht. Auf dieser Welt gibt es nur Vattern. Andere Menschen haben keine Probleme und keine Gefuehle. Ihm ist mit 10 Jahren eine Bombe aufs Haus gefallen (im OKTOBER, und im JANUAR war der Krieg herum - SOOO KNAPP!!" *schluchtz*), und dafuer bestraft der arme kleine Junge die Menschheit seit fast 7 Jahrzehnten. Tyrannisiert diejenigen, die es zulassen, und ignoriert diejenigen, die sich abgrenzen, weil er bei denen (ich gehoere auch dazu) nicht mehr die Kontrolle hat.
Damit war das Thema MS - und "Tochter" ueberhaupt - abgeschlossen von seiner Seite. Nun mal zum wirklich Wichtigen:
"Du schreibst, dass das Buch noch nicht angekommen ist. Das verstehe ich nicht. Wir haben es per Luftpost geschickt. Vielleicht hat es der Zoll einbehalten. Ich wüsste aber nicht, warum die ein völlig harmloses Buch einbehalten. Das Buch ist ziemlich schwer (1kg). Vielleicht hat ein Briefträger etwas wertvolles vermutet und hat es sich unter den Nagel gerissen."
Tja, da haben wir's, meine Herrschaften. Die Amis sind alles Gauner ("bei UNS wuerde so was nicht passieren!"), inklusive dem Arzt, der deiner Tochter eine Krankheit anhaengt, die sie gar nicht hat. Sie hat sicher nur "ja" gepiepst. DU musst es ja wissen.
So, jetzt kann ich ihm vlt. in zivilem Ton zurueckschreiben. Warte aber lieber ein paar Tage, um auf Nummer Sicher zu gehen.
PS. Ich haette wenigstens erwartet, dass er Details zu der von mir erwaehnten monatlichen Behandlung fragt. Oder darauf eingeht, dass ich das "Verschweigen" innerhalb der Familie nicht mehr gutheisse. Kam aber nix. Mit keiner Silbe. Gut. Wer nicht will, der hat schon. :/
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Friday, November 6, 2009
Realsatire vom Feinsten oder Schweinchen im Himmel

Besser, ne?
Bevor wir das Thema abschliessen, moechte ich noch Folgendes ansprechen. Ich kann einfach nicht anders.
Vor 4 Jahren war ich in Deutschland. Muttern und ich sassen morgens zusammen an ihrem Esstisch. (Ihr Mann mit seinen Zigaretten und seiner Bild-Zeitung war ausnahmsweise noch im Bett.)
Und sie erzaehlte mir von einem Kollegen ihres Mannes. Einem FRUEHEREN Kollegen. Denn... der Kollege war nicht mehr. Er hatte sich in den Himmel verabschiedet. Was Muttern sich nicht erklaeren konnte. Denn... der Kollege hatte doch immer so gesund ausgesehen: Er war drall und prall und hatte was auf den Knochen, und ... jetzt kommt's ... ein RUNDES, ROSIGES Gesicht. Er war ... O-Ton von Muttern - "das bluehende Leben". Er sah - wieder O-Ton von Muttern - aus "wie EIN GLUECKSSCHWEINCHEN"! Er hatte was auf den Knochen, JA DOCH, und so einen GESUNDEN ROSIGEN TEINT. Im Gesicht. In seinem FUELLIGEN, ROSIGEN... GESICHT.
Und dann passierte es, fuhr Muttern ratlos fort: Dieser Mensch, der so drall, prall, rosig, und fuellig war.... dieses BLUEHENDE LEBEN, dieses BILD DER GESUNDHEIT... fiel eines Tages tot vornueber. Mit dem rotbaeckigen Gesicht nach vorne auf den Boden geklatscht.
An einer Herzattacke.
Tja. Muttern (5 Jahre alt zu Kriegszeiten) konnte sich das UEBERHAUPT nicht erklaeren. Sie war vollkommen ratlos ueber solche UNGERECHTIGKEIT.
Ich fragte Muttern, ob sie schon jemals was von ungesund hohem Blutdruck gehoert haette. Der sich normalerweise in draller, rosiger, und gluecksschweinchenhafter "GESUNDHEIT" manifestiert. Und erntete nichts als einen leeren Blick. Gefolgt von einer bloeden Bemerkung ueber meinen duemmlichen Magerwahn. Aber auch.
Zwickt's mi.
Verhaermte Gruesse,
hsm
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Rote Baeckchen: Weg damit!
Wer mir nicht glaubt, soll einfach mal unter Google.com "red cheeks" googeln. Man wird sehr schnell bemerken, dass die ach-so-gesunden roten Baeckchen eben ausserhalb von Deutschland *nicht* als anstrebenswert gelten, sondern - im Gegenteil - nicht nur als unattraktiv angesehen werden (zu Recht), sondern auch Indiz fuer alle moeglichen Gesundheitsprobleme sind.
Uebrigens: Man stelle sich das kleine Maedchen auf der Rotbaeckchen-Flasche mal ohne diese zwei haesslichen roten Flecken im Gesicht vor. Wenn man denn so viel Fantasie hat. Dann kommt man zu dem Ergebnis, dass das ohne diese Verunstaltung ein wirklich huebsches Kind sein koennte. Sieht ein bischen so aus wie ich in juengeren Jahren von den Gesichtszuegen her.
Uebrigens: Man stelle sich das kleine Maedchen auf der Rotbaeckchen-Flasche mal ohne diese zwei haesslichen roten Flecken im Gesicht vor. Wenn man denn so viel Fantasie hat. Dann kommt man zu dem Ergebnis, dass das ohne diese Verunstaltung ein wirklich huebsches Kind sein koennte. Sieht ein bischen so aus wie ich in juengeren Jahren von den Gesichtszuegen her.
Humor ist wenn man trotzdem lacht
Also. Wenn man nach meinem Hoehensonne Beispiel (Post von gestern abend) gehen kann, darf man davon ausgehen, dass noch kein Deutscher ungestraft mit BLASS-SEIN davon gekommen ist. Bestenfalls musste er als Kind kuebelweise "Rotbaeckchen" trinken, schlimmstenfalls wurde er von den netten Maennern in brauner Uniform abgefuehrt. (War das jetzt wieder eine verkrampft-humorige Formulierung? Entschuldigen Sie bitte! :-OO)
Das mit Vattern und seiner Hoehensonne war jetzt allerdings ein Extrembeispiel meiner persoenlichen "Blass"-Leiden. Es gab auch noch andere Vorfaelle. Nehmen wir mal meine Deutschlehrerin in der 8. Klasse. Fraeulein Mannheim. Vor der musste ich mich regelmaessig verstecken, denn wenn ich die mal ausserhalb des Klassenzimmers traf, wusste ich schon, was mir bluehte: Warum ich so klein, duenn, und BLASS sei. Ob ich krank sei. Ich sollte mal meinen Eltern ausrichten, dass sie mal mit mir zum Arzt gehen und mich von Kopf bis Fuss untersuchen lassen sollten. Was ich natuerlich nicht tat. Wenige Jahre spaeter fing dann uebrigens meine lebenslange Hypochondie an - grosse Ueberraschung, das.)
Fast-forward to 1987. Ich lebte als junge Erwachsene schon mehrere Jahre in Amerika, und hatte die Blass-Geschichten vollkommen vergessen. Hierzulande hoert man das naemlich nicht, es wird vielmehr unausgesprochen akzeptiert, dass Menschen in jedem Teint kommen, und dass ein heller Teint nichts mit "Krankheit" zu tun hat. Fuer mich war das Ganze also schon jahrelang kein Thema mehr. Bis ich mich mit einer deutschen Nachbarin anfreundete (:-OO). Wir hatten beide Kinder im Kleinkinderalter, und wohnten in der selben Wohnungsanlage. Ihr Mann war in der Armee, mein Ex-Mann war in der Armee gewesen. Vor so vielen Gemeinsamkeiten kann man sich ja gar nicht mehr retten. Dass wir beide deutsch waren, war nur noch das Sahnehaeubchen.
An einem Sonntag fuhren wir gemeinsam auf einen Spielplatz. Da war so ein Ding, wo man raufklettern konnte (echt? auf einem Spielplatz??), und dann ein Kleinkind eine Rutsche runterschubsen konnte. Auf dem Ding stand die Dame gerade mit ihrem 2-jaehrigen Sohnemann drauf. Ich stand gerade aus irgendeinem Grund am anderen Ende des Spielplatzes, meine Kinder spielten irgendwo in der Naehe, und ich guckte zufaellig in die Richtung der Dame auf der Rutsche. Irgendwo muss man ja hingucken. Ja, ich haette auch auf meine Kinder gucken koennen, oder auf den Parkplatz, oder in den Himmel, aber gut.
Ploetzlich bruellt diese Dame mir vollkommen unprovoziert UEBER DEN GANZEN SPIELPLATZ HINWEG von dem Ding herunter mit Top-Lautstaerke zu: "DU BIST *SO BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!! WARUM *BIST DU SO BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!".
Zum Glueck auf Deutsch. Wenigstens hat's damit sonst niemand verstanden. War auch so schon entwuerdigend genug.
Ich vor Schrecken fast aus den Latschen gekippt. Dachte wirklich, ich haette nicht richtig gehoert. Vor Schock frage ich bloederweise "wie bitte?". Und sie natuerlich noch mal mit dem Megaphon: "DU!!!!! BIST!!!!!! SO!!!!!!! *BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und mich wohlwollend-erwartend angeguckt. Ich habe nichts gesagt, Hildegard. Denn ich war sprachlos.
Das war das einzige Mal, dass mir jemand in Amerika gesagt hat, ich waere zu blass. In all den Jahren davor und danach. Habe ich erwaehnt, dass die Dame Deutsche war?
Das mit Vattern und seiner Hoehensonne war jetzt allerdings ein Extrembeispiel meiner persoenlichen "Blass"-Leiden. Es gab auch noch andere Vorfaelle. Nehmen wir mal meine Deutschlehrerin in der 8. Klasse. Fraeulein Mannheim. Vor der musste ich mich regelmaessig verstecken, denn wenn ich die mal ausserhalb des Klassenzimmers traf, wusste ich schon, was mir bluehte: Warum ich so klein, duenn, und BLASS sei. Ob ich krank sei. Ich sollte mal meinen Eltern ausrichten, dass sie mal mit mir zum Arzt gehen und mich von Kopf bis Fuss untersuchen lassen sollten. Was ich natuerlich nicht tat. Wenige Jahre spaeter fing dann uebrigens meine lebenslange Hypochondie an - grosse Ueberraschung, das.)
Fast-forward to 1987. Ich lebte als junge Erwachsene schon mehrere Jahre in Amerika, und hatte die Blass-Geschichten vollkommen vergessen. Hierzulande hoert man das naemlich nicht, es wird vielmehr unausgesprochen akzeptiert, dass Menschen in jedem Teint kommen, und dass ein heller Teint nichts mit "Krankheit" zu tun hat. Fuer mich war das Ganze also schon jahrelang kein Thema mehr. Bis ich mich mit einer deutschen Nachbarin anfreundete (:-OO). Wir hatten beide Kinder im Kleinkinderalter, und wohnten in der selben Wohnungsanlage. Ihr Mann war in der Armee, mein Ex-Mann war in der Armee gewesen. Vor so vielen Gemeinsamkeiten kann man sich ja gar nicht mehr retten. Dass wir beide deutsch waren, war nur noch das Sahnehaeubchen.
An einem Sonntag fuhren wir gemeinsam auf einen Spielplatz. Da war so ein Ding, wo man raufklettern konnte (echt? auf einem Spielplatz??), und dann ein Kleinkind eine Rutsche runterschubsen konnte. Auf dem Ding stand die Dame gerade mit ihrem 2-jaehrigen Sohnemann drauf. Ich stand gerade aus irgendeinem Grund am anderen Ende des Spielplatzes, meine Kinder spielten irgendwo in der Naehe, und ich guckte zufaellig in die Richtung der Dame auf der Rutsche. Irgendwo muss man ja hingucken. Ja, ich haette auch auf meine Kinder gucken koennen, oder auf den Parkplatz, oder in den Himmel, aber gut.
Ploetzlich bruellt diese Dame mir vollkommen unprovoziert UEBER DEN GANZEN SPIELPLATZ HINWEG von dem Ding herunter mit Top-Lautstaerke zu: "DU BIST *SO BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!! WARUM *BIST DU SO BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!".
Zum Glueck auf Deutsch. Wenigstens hat's damit sonst niemand verstanden. War auch so schon entwuerdigend genug.
Ich vor Schrecken fast aus den Latschen gekippt. Dachte wirklich, ich haette nicht richtig gehoert. Vor Schock frage ich bloederweise "wie bitte?". Und sie natuerlich noch mal mit dem Megaphon: "DU!!!!! BIST!!!!!! SO!!!!!!! *BLASS*!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und mich wohlwollend-erwartend angeguckt. Ich habe nichts gesagt, Hildegard. Denn ich war sprachlos.
Das war das einzige Mal, dass mir jemand in Amerika gesagt hat, ich waere zu blass. In all den Jahren davor und danach. Habe ich erwaehnt, dass die Dame Deutsche war?
Thursday, November 5, 2009
Höhensonne für rote Bäckchen

Rote Baeckchen. Der Traum eines jeden Deutschen. Ein Symbol draller, praller Gesundheit. Dieses Produkt wuerde hierzulande bestenfalls als rassistisch angesehen werden, schlimmstenfalls als Nazi Propaganda. Aber rote Baeckchen sind in Deutschland kein Zeichen fuer hohen Blutdruck oder aehnliches (WIE kann so ein kleines Kind schon Hitzewallungen haben??). Nein. Rote Baeckchen sind fuer Deutsche ein Indiz draller, praller Gesundheit. Nun denn.
Als Kind hatte ich keine roten Baeckchen. Nie. Das hat meinen Erwachsenen viel Kummer bereitet. Ich war naemlich eher ein bischen.... wie kann man das jetzt diskret ausdruecken... also. *tieflufthol* Aehem. Ich war naemlich und bin immer noch ... nein, nicht schlicht mit einem hellen Teint gesegnet. Sondern... wie kann man das jetzt VORSICHTIG und BEHUTSAM herueberbringen? Ich will ja schliesslich niemanden traumatisieren. Ich war naemlich - aufgepasst, wer empfindlich ist, liest besser nicht weiter.... ich war *schaem* ... BLASS. Ja. Ich bin ein Betroffener. Ich gebe es zu. Ich war und bin mit 50 immer noch.... BLASS. Bitte bemitleden Sie mich nicht. Ich komme inzwischen ganz gut mit diesem HANDICAP zurecht. Aber als Kind hatte ich die entsprechende Reife noch nicht.
Als ich 12 war, verbrachte ich mit meinem Vater, einigen seiner Kollegen, und deren Kindern eine Woche auf einer Skihuette in Frankreich. Langweilig, ne? Moment. Der dicke Hund, der Rattenschwanz, kommt noch. Ich hatte mich naemlich gefreut auf diesen Urlaub, in meiner kindlichen Unschuld nicht ahnend, dass ich als BLASSES DEUTSCHES KIND nie und nimmer mit dieser unschuldigen Freude davonkommen wuerde.
Es lag ganz viel Schnee. Wirklich toller Schnee. Ganz tief. Wir waren viele Kinder. So zwischen 7 (*winke an Walterchen, der mal den Rand vom Hut seiner Oma abgeschnitten hat, und bei Mensch-Aergere-Dich-Nicht immer einen Wutanfall bekam, der war so cool*^^) und 14 Jahren (diese zwei Buben waren mir eine Nummer zu gross). Und wir fuhren neben Ski auch Schlitten, oder rasten einfach mal in Plastikschuesseln den Berg an der Skihuette herunter. Die Sonne schien eigentlich immer, und wir hatten viel Spass im Freien.
Eines Tages war aber Schluss mit lustig. Zumindest fuer meine Wenigkeit. Vattern holte mich vom Schlitten, und fuehrte mich in eine Scheune, die zur Huette gehoerte. Warum? Um mir mit einer Peitsche den Hintern zu versohlen? Um mich auf sonst eine Art zu misshandeln (er war lange single gewesen, armer Kerl)?. Also die dreckige Fantasie darf man ruhig wegstecken. Denn die Realitaet war viel tragischer als all so was. Als wir schliesslich zu zweit in dem Schuppen standen, produzierte Vattern naemlich aus dem ganzen Geruempel da drin.... *trommelwirbel* EINE HOEHENSONNE. Ich sollte - IM SCHUPPEN - eine Zeitlang vor der Hoehensonne sitzen (einen Stecker gab es leider auch in dem Schuppen).
Warum? WARUM???
IST DAS NICHT KLAR WIE DIE SONNE, DIE DORT DRAUSSEN SCHIEN???
Natuerlich war die Hoehensonne notwendig ... DAMIT ICH EIN BISCHEN FARBE BEKOMMEN WUEERDE!
Damit ich nicht.... SO BLASS ... aus dem Urlaub nach Hause kommen wuerde.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich wurde aus der ECHTEN SONNE entfernt, um KUENSTLICHE FARBE anzunehmen. Von einer Hoehensonne. Elektisch. In einem Schuppen. Damit ich nicht BLASS aus dem Urlaub zurueckkomme.
Waehrend also die anderen Kinder draussen tobten und spielten - IN DER SONNE - musste ich in einem Schuppen voll Geruempel sitzen, und so ein elektrisches Ding anstarren. Kinn hoch, hat Vattern angeordnet. Damit DIE BRAEUNE auch gleichmaessig wird.
Nach einer halben Stunde oder einer Stunde kam Vattern in den Schuppen, und stellte seine zerschmetternde Diagnose: NEIIIIIIIIN!! Ich bin ja IMMER NOCH ZU BLASS!! Also noch mal eine halbe Stunde, und diesmal den Kopf SO halten, und nicht SO! Verdammt noch mal. Warum kann ich das nicht kapieren?? Wenn das Kind BLASS aus dem Urlaub zurueckkommt, dann denken die zu Hause womoeglich noch, ES HAETTE GAR KEINE SONNE UND FRISCHE LUFT ABBEKOMMEN. Also sass ich noch eine weitere halbe Stunde vor dem Ding ab. Waehrend die anderen Kinder draussen die echte Sonne aufsaugten. Es ist jetzt nicht so, als ob ich total beraubt gewesen waere. Ich konnte durchaus die anderen Kinder vor dem Schuppen in der Sonne lachen und jubeln hoeren beim Schlittenfahren, bekam ihren Spass also mit, wenn auch nur zweiterhand.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei denen, die mich an diese Story erinnert haben. Denn ich glaube nicht, dass sich meine Gesichtsfarbe in absehbarer Zeit veraendern wird, und irgendwie muss ich mit dieser Tragoedie leben und zurechtkommen.
Herzliche Gruesse aus dem novembrigen New York,
hsm
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