[Anmerkung Montag: Die Bezeichnung "Trotzteufel" gefaellt mir so gut, und passt so gut zu mir, dass ich den Blog temporaer in "Erguesse eines Trotzteufels" umbenannt habe^^
Ach ja, die nervende Freischaltfunktion stelle ich wieder ab - Frau Renate Blaes' Trolle halten sich seit ein paar Tagen wieder vornehm zurueck.]
Was die unten beschriebenen Spendensammler auf der Strasse angeht... vor ein paar Jahren hat mein Sohn auch mal bei so was mitgemacht. Und ich frage ihn letztens - ganz allgemein, denn ich will eine ehrliche Antwort - nach welchen Kriterien Personen, die angebettelt werden, ausgesucht werden. Mir sei schon oefter aufgefallen, dass die manche Leute quasi anspringen, und andere vollkommen ignorieren. Ob das mit Absicht geschaehe?
Und ich bekam meine Antwort, und musste feststellen, dass ich mit meinen eigenen Schluessen leider nicht so falsch lag.
Erstmal: Frauen sind besser zum Anbetteln, denn sie geben eher als Manner. Gut. Damit kann ich leben. Dann: Wer aussieht, als ob er Geld hat, wird natuerlich angesprochen. (Muss an meinem Kleidungsstil liegen). Gut, das ist soweit ja alles neutral bis schmeichelnd. Was noch?
Frauen, die so etwa ab Mittelalter einzuschaetzen sind. Die kommen naemlich aus der Generation, die sozial eingestellt ist. Die geben schon alleine aus dem Grund, weil die Sammler ihnen leid tun, wie sie da an der Strassenecke stehen, bevor sie ueberhaupt wissen, fuer welchen Zweck es ist.
Ups.
Ups.
Upsiups.
Auch wenn man haufenweise Einkaufstueten aus jungen, hippen Geschaeften (Gap, Old Navy, Banana Republic) traegt? Hat nix zu sagen, koennte sich ja um Geschenke handeln. (Ach so, zweifelsohne fuer die Enkelkinder.... :/), und bestaetigt ausserdem die Theorie mit dem locker sitzenden Geldbeutel (mit diesem Teil kann ich leben, wie gesagt, der schmeichelt, was den anderen Teil aber leider nicht aufhebt).
Jetzt bin ich wirklich froh, dass ich solche Herrschaften immer ignoriere. Denn wenn ich artig auf sie einginge (auch nur, um mir anzuhoeren, was sie zu sagen haben), wuerde ich ja den Eindruck bestaetigen, dass ich eine alte Schachtel bin. Die wuerden sich im Stillen dazu gratulieren, wie gut sie das Profilieren im Griff haben. Das waere dann eine Art Gehorsam meinerseits, nein? Ich bin natuerlich froh, in den 60/70er Jahren Kind gewesen zu sein. Diese Zeit moechte ich nicht missen, und ich finde, dass sie mich auf fuer mich wichtige Art gepraegt hat. Aber nur ich darf das Thema ueber mich anschneiden. Kein anderer darf auf mich zukommen mit dem Gedanken "die sieht so aus, als ob sie ca. 1975 Teenager war = sozial eingestellte Generation". Ich pers. hoere da nur heraus "du siehst alt aus".
Jetzt weiss ich wenigstens Bescheid, dass das, was ich in manche Dinge angeblich "hineininterpretiere", es in Wirklichkeit ziemlich genau trifft. Das tut gut. Meine Wahrnehmung scheint bei mir alter Schachtel noch recht gut zu funktionieren. Man kann Leuten, die einen (wenn auch unausgesprochen) in eine Schublade tun, nicht auch noch recht geben, indem man so handelt, wie sie es manipulierend erwarten.
Solche Bockigkeit und Muerrigkeit macht erst recht alt, egal wie man aussieht, habe ich mir mal sagen lassen. Ach wirklich? Vielleicht waere es souveraener - und paradoxerweise jugendlicher - gewesen, z. B. in der Busfahrersituation ein Witzchen zu machen (schon alleine aus Mitleid mit dessen grausigem Job), und das Ganze dann loszulassen, anstatt noch fast eine Woche spaeter darueber zu kochen. "Sind Sie Senior?" Ich: "*lach* Nein, noch nicht ganz, auch wenn ich mich an manchen Tagen so fuehle *lach*" Er, erleichtert ueber die wirklich nette Passagierin, die den Faux-pas nicht persoenlich nimmt: "Ja, das kenne ich auch......"...... Anstatt wie eine grantige Alte auszurasten.
Warum kann ich das nicht? Auf jeden Fall haette es mich weniger als verbitterte Alte erscheinen lassen, als laut herumzumotzen.
Das ist wie mit den Leuten, die sich gehorsam an ihrem 50. G-Tag bei AARP anmelden, und dann ganz selbstbewusst den Ausweis zuecken, um irgendwelche Rabatte zu bekommen. (Manche sind da gar nicht so happig, ich haette mit AARP Ausweis z. B. eine $600 Brille fuer $400 bekommen koennen in einem bestimmten Laden.) Solche gelassene "Mitspieler" wirken ironischerweise irgendwie juenger, als die stoerrischen AARP-Verweigerer. Ich habe mal herumgefragt, warum man das mitmacht, ob einem das nicht peinlich ist. Einer hat mir gesagt "Das Altwerden ist auch so schon schlimm genug, da nehme ich mir die wenigen Vorteile, die es bringt". So ein Selbstbewusstsein haette ich auch gern. Andererseits aber auch wieder nicht. Dann waere ich naemlich nicht mehr ich, die Essenz, die MICH ausmacht, waere weg. Der Trotzteufel gefaellt mir besser. Sorry.